Was ist das Ziel?

Die meisten Schmerzpatienten möchten verständlicherweise schnell von ihren Schmerzen „befreit“ werden. So sehr wir Schmerzfreiheit allen chronischen Schmerzpatienten wünschen, bedeutet dies jedoch für die Mehrzahl der Betroffenen eine unrealistische Hoffnung. Ein realistisches Ziel kann jedoch eine Schmerzlinderung um ca. 50% bedeuten. Trotz aller Bemühungen lassen sich manche Schmerzen jedoch nicht ausreichend reduzieren. In diesem Fall müssen Schmerzpatienten lernen, sich mit dieser Situation zu arrangieren und Schmerzen als Teil ihres Lebens zu akzeptieren. Wichtigstes Ziel einer psychologischen Schmerztherapie ist, Patienten eine Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Zentral ist hierbei die persönliche Erfahrung, selbst etwas zur Veränderung der eigenen Situation beitragen zu können (Selbstwirksamkeit). Diese bezieht sich erstaunlicherweise nicht nur auf den Schmerz selbst, auch wenn die Verbesserung der Schmerzbewältigung meist an erster Stelle steht. Es gilt als erwiesen, dass psychologische Verfahren zur Schmerzkontrolle (z.B. Selbsthypnose, Entspannung, Imagination) eine medikamentöse Schmerztherapie wirksam unterstützen und manchmal sogar ersetzen können. Ebenso wichtig, wenn vielleicht sogar wichtiger, ist die Verbesserung der Lebensqualität und Veränderung ungünstiger Lernprozesse im Verhalten, Denken und Erleben, um eine weitere Chronifizierung zu verhindern. Das kann beispielsweise bedeuten, wieder aktiver zu werden, mehr zu genießen, den Tagesablauf mit lohnenden Pausen zu strukturieren oder Erwartungshaltungen an die eigene Person zu verändern. Letztlich geht es darum, dem Schmerz nicht mehr so viel Macht zu geben, ihn aus dem Lebensmittelpunkt zu drängen. Da sich anhaltender Stress negativ auf Schmerzen auswirkt, benötigen chronische Schmerzpatienten eine besonders gute Stressbewältigungsfertigkeit. Im Falle von stressauslösenden privaten oder beruflichen Konflikten lohnt sich die Stärkung von Problemlösekompetenzen. Liegt eine Medikamentenabhängigkeit vor, stehen neben dem Entzug von Medikamenten der Aufbau alternativer Verhaltensstrategien und die Rückfallprophylaxe im Mittelpunkt.