Psychoanalytische Psychosomatik und ihre stationären und ambulanten Behandlungsmöglichkeiten

Die Psychoanalyse gewinnt in Deutschland allgemeingesellschaftlich und therapeutisch wieder an Bedeutung, was an dem enormen Medienecho zum 150. Geburtsjahr Freuds und dem Interesse der Bevölkerung sehr deutlich sichtbar wurde. Dabei waren selbst in traditionell psychoanalysekritischen Magazinen, wie dem Spiegel oder Stern, zu diesem Thema positive Berichterstattungen zu lesen, was in den letzten Jahren durchaus nicht immer der Fall war. Großen Anteil hieran haben sicher vor allem die Neurowissenschaften, die sich aktuell sehr für die Modelle Freuds und die Psychoanalyse interessieren und beispielsweise seine Entdeckung des Unbewussten und die Funktionen der Träume bestätigen.

Das psychoanalytische Verständnis der psychosomatischen Erkrankungen ist also durchaus nicht passé! So ist es auch an der Zeit, sich mit grundlegenden theoretischen analytischen Konzepten und der aktuellen Behandlungstechnik im ambulanten und stationären Rahmen auseinander zu setzen. Ein psychoanalytisches Verständnis der unbewussten psychosomatischen Dynamik ist aus unserer klinischen Erfahrung wichtig und hilfreich, wenn auch das analytische hochfrequente Standardverfahren nach Einschätzung der meisten Psychoanalytiker nur bei den wenigsten psychosomatischen Patienten indiziert ist.

Zumindest gilt dies für die Anfangsphase einer Therapie, in der Modifikationen notwendig und sinnvoll sind, wie sie schon seit langem im stationären Rahmen bzw. in der Gruppenanalyse entwickelt und erfolgreich angewandt werden. Dies geschieht bei der stationären Behandlung im Rahmen einer integrativen Therapie, die auch ergänzend kompatible Therapien umfasst, die z. B. auf die Realität des Arbeitslebens und eine Verbesserung der sozialen Fähigkeiten abzielen.

Für eine erfolgreiche Behandlung sind natürlich auch Beratungsstellen und niedergelassene Psychotherapeuten sowie Ärzte, die psychosomatische Patienten behandeln und vielerorts ebenfalls tiefenpsychologisch bzw. psychoanalytisch ausgebildet und orientiert sind, in Form von Kooperations-, Kombinations- und Vernetzungsmodellen einzubeziehen.

Psychosomatische Behandlung findet nicht mehr alleine oder vorrangig in der psychosomatischen Klinik statt. Natürlich war das genau betrachtet noch nie der Fall. Aber die zunehmenden ambulanten Therapie- und Beratungsmöglichkeiten treten heutzutage nicht zuletzt wegen ihrer unbestreitbaren Erfolge zunehmend mehr in das Bewusstsein. Auf der anderen Seite ist für einen Großteil der psychosomatischen Patienten eine stationäre Behandlung mit ihren umfassenden Möglichkeiten und den intensiven, vielfältigen und individuellen Therapieangeboten nach wie vor unverzichtbar. Die Verbesserung der Zusammenarbeit der beteiligten Partner der psychosomatischen Behandlung auf der Basis eines gemeinsamen psychodynamischen Krankheits- und Behandlungsverständnisses wird vorrangiges Ziel in der Zukunft sein.