Wie geht die psychosomatische Medizin vor?

Die psychosomatische Medizin stellt das Prinzip der Einheit von Leib und Seele und die jeweiligen sozialen Bezüge in den Mittelpunkt von Diagnostik und Therapie. Bei der Untersuchung und Behandlung geht es nicht um die Krankheit, sondern um den Erkrankten in seiner psychischen und sozialen Situation. Das bedeutet aber keine Entwertung der großen medizinisch-naturwissenschaftlichen Fortschritte, auf die niemand verzichten kann. Die moderne Apparatemedizin stößt aber auch immer wieder an ihre Grenzen. Insbesondere ist sie überfordert, die zunehmende Anzahl von chronischen Erkrankungen zu bewältigen. In der psychosomatischen Medizin steht nun der Dialog mit dem Patienten im Mittelpunkt. Sie sucht keinen besseren Weg der Diagnostik und Behandlung, sondern einen wesentlich anderen. Der Weg führt über die gemeinsame Erhebung der Lebensgeschichte und das Zwiegespräch zu einer verlässlichen und verstehenden Beziehung zum Patienten. Wir sprechen daher auch von einer Beziehungsmedizin.

Die psychosomatische Erkrankung ist durch eine verunglückte zwischenmenschliche Beziehung entstanden und kann nur durch eine neue, eine heilsame Beziehung geheilt werden. An diesen völlig neuen Umgang mit der Erkrankung muss der Patient sich erst einmal gewöhnen. Er wird immer wieder Zuflucht zu dem gewohnten Umgang mit der Erkrankung, zu den ihm bekannten organmedizinischen Untersuchungen und Abklärungen suchen wollen. Wenn die neue Beziehung zum Therapeuten tragfähig ist, wird es aber immer wieder gelingen, den psychotherapeutischen Weg weiterzuverfolgen. Wir fassen noch einmal zusammen: die psychosomatische Krankenbehandlung ist dadurch gekennzeichnet, dass der Arzt sich um die Entwicklung und Gestaltung der Beziehung zum Patienten bemüht. Diese Beziehung ist dann die Grundlage der Diagnostik und der Therapie des Patienten in der Psychosomatischen Medizin.

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