Welche Art der Therapie findet Anwendung?

Psychosomatische Therapie heißt grundsätzlich psychische und körperliche Behandlung. Das Vorgehen im Einzelfall richtet sich nach der jeweiligen Notwendigkeit des Patienten. Bei schweren psychosomatischen Erkrankungen mit Organschädigungen wie Asthma bronchiale oder Colitis ulcerosa liegt das Schwergewicht der Behandlung über lange Strecken auf der organmedizinischen Schiene. Der Psychotherapeutische Anteil besteht zunächst in einer stützenden Zuwendung und einer haltgebenden Beziehung. Anders sieht es bei Patienten mit Funktionsstörungen oder Ausdruckskrankheiten aus. Hier wird bei ausreichender Motivation des Patienten der psychotherapeutische Anteil von Anfang an groß sein.

Die Basis jeder psychosomatischen Therapie besteht darin, dass der Kranke selbst ein Gespür und ein Verständnis für seine seelisch-körperlichen Reaktionsweisen entwickelt. Er sollte in der Lage sein sich und sein Beschwerdebild als Ausdruck seines lebensgeschichtlichen Gewordenseins zu verstehen. Das geht üblicherweise einher mit einer Rückbildung der Symptomatik und einem tiefen Verständnis für sich selbst. Eine solche Behandlung stellt natürlich hohe Anforderungen an die Mitarbeit des Patienten und an seine Ausdauer.

Am Anfang der Behandlung stehen themenzentrierte informative Gespräche zusammen mit aktiver Entspannungstherapie und Körperwahrnehmungsübungen. Dies dient der Verbesserung der körperlichen Selbstwahrnehmung und fördert das körperliche Selbstvertrauen. Als besonders erfolgreich hat sich die psychotherapeutische Arbeit mit einem Medium in Kleingruppen mit cirka 6 - 8 Teilnehmern herausgestellt. In der Kunsttherapie wird mit Material, Ton, Holz, Stein oder Papier, und in der Musik- und Tanztherapie mit dem eigenen Körper gearbeitet. Krankengymnastische Anwendungen wie Massagen, Bewegungsbäder und Wärmeanwendungen sind ein wichtiger Teil der stationären psychosomatischen Behandlung. Der Sozialdienst mit seinen Sozialarbeitern wird sie bei Ihren rententechnischen und sozialrechtlichen Fragen beraten. Das Fachpflegepersonal hat die wichtige Aufgabe den Patienten eine haltende und stützende Beziehung anzubieten. Die regelmärigen Teambesprechungen sind verpflichtend für jeden, der am therapeutischen Prozess beteiligt ist. Grundlage der stationären psychotherapeutischen Behandlung in unserer Abteilung ist ein Konzept das sich an der Psychoanalyse orientiert. Die Psychoanalyse ist ein Theoriegebäude das meiner Meinung nach psychosomatische Erkrankungen am besten erklären kann. Der Erfolg einer psychoanalytischen Behandlung ist in zahlreichen Studien nachgewiesen. In unserer Abteilung verwenden wir eine besondere Form der Psychoanalytischen Therapie, die psychoanalytisch-interaktionelle Therapie. Diese wird sowohl in der Gruppe aber auch als Einzeltherapie angewendet.Bei dieser Therapie geht es mehr um ein Erfahren und Lernen von Gefühlszuständen um die im Körper geronnenen Gefühle wieder erlebbar und erfahrbar zu machen.Das in unserer Abteilung vorhandene breite Spektrum an verschiedenen Therapiemöglichkeiten ermöglicht es, einer großen Anzahl an Patienten gerecht zu werden.

Eine stationäre psychotherapeutische Behandlung entspricht einer Rund-um-die-Uhr-Psychotherapie. Diese ist aufgrund der verschiedenen ineinandergreifenden Therapieverfahren auch wesentlich gründlicher und effektiver als eine ambulante Behandlung. Jedoch besteht bei fast allen Patienten die Notwendigkeit, im Anschluß an die stationäre Behandlung eine ambulante Therapie folgen zu lassen. Am sinnvollsten ist es natürlich, die ambulante Psychotherapie, die vor der stationären Behandlung schon durchgeführt wurde, wieder aufzunehmen.

Eine solche komplexe Angelegenheit ist nicht in ein oder zwei Wochen erledigt. Ein Zeitraum von zwei bis drei Monaten ist notwendig, um die beschriebenen Umstellungsprozesse zu gewährleisten.

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