Der seelische Schmerz - Ansatz der Tanz- und Ausdruckstherapie

Der seelische Schmerz hatte bislang keine Möglichkeit sich auszudrücken, als sich in körperlichen Schmerz zu verwandeln. Aufgabe des Therapeuten ist es, die verschlüsselte Sprache gemeinsam mit dem Patienten zu dekodieren und damit dem Patienten zu ermöglichen, den ursprünglichen Schmerz und die damit verbundenen lebensgeschichtlichen Zusammenhänge zu verarbeiten. Schmerzerfahrungen werden in der Seele, beziehungsweise im Gehirn, gespeichert. Durch die Möglichkeiten der Tanz– und Ausdruckstherapie können schmerzbezogene Körpererinnerungen abgebaut werden, und im Umkehrschluss können positive Vernetzungen durch neue positive, lustvolle Erlebnisse gebildet werden.

Oft verschwinden im Tanz die Ängste vor schmerzhaften Bewegungen. Es ist erstaunlich, wie gelöst viele Patienten tanzen, die sich vorher nur ängstlich oder wie erstarrt bewegten. Die Tanz- und Ausdruckstherapie setzt mit vielen Interventionen direkt am Körperbild an. Dabei wird von einem Wechselspiel zwischen unbewussten und bewussten Körperbilderleben ausgegangen. Das Bild vom eigenen Körper erfasst die Gesamtheit aller im Laufe eines Lebens erworbenen Erfahrungen mit dem eigenen Körper, was die kognitiven, die affektiven, die bewussten und die unbewussten Erlebnisse beinhaltet. Körperbild und Körpergedächtnis stehen in einem untrennbaren Zusammenhang zueinander und Themen, die zur Bewegung führen, machen nicht selten die zugehörigen psychischen Themen bewusst.

Tanztherapie
Tanztherapie

In tänzerischen Bewegungsimprovisationen bekommt das Unbewusste seinen Raum, in der Arbeit mit Bewegungsmetaphern, Symbolisierung, werden gezielt Erfahrungen zu persönlichen Themen gemacht und neue Möglichkeiten erprobt.

Neueste Forschungen belegen den direkten Einfluss künstlerischer Therapiemethoden auf das limbische System als Empfindungs– und Kontrollorgan, insbesondere auf die Amygdala als Schmerzzentrum. Dies impliziert eine nachweislich signifikante Einflussnahme auf den dysfunktionalen Regelkreis des Schmerzerlebens.

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