Knochenbrüche der Handwurzel

Knochenbrüche der Handwurzel kommen nach Stürzen und anderen Unfällen vor. Sie sind zwar erheblich seltener als Speichenbrüche, werden aber auch leichter übersehen.
Mit ca. 80% aller Handwurzelbrüche ist das Kahnbein der am häufigsten betroffene Knochen.
Da die Fraktur des Kahnbeins gleichzeitig auch die größten Probleme machen kann, soll hier besonders auf diese Verletzung eingegangen werden.

Was versteht man unter dem Kahnbein?

Das Kahnbein ist ein wichtiger Handwurzelknochen, der an allen Bewegungen des Handgelenkes maßgeblich beteiligt ist.
Es weist Verbindungen zu 5 weiteren Knochen des Handgelenkes auf und nimmt damit eine zentrale Stellung in der Beweglichkeit des Handgelenkes ein. Die Durchblutung des Kahnbeines ist sehr ungünstig, so dass dieser Knochen im Falle eines Bruches eine sehr lange Ruhigstellung (bis zu 12 Wochen) benötigt und eventuell überhaupt nicht ausheilt. Eine gute Prognose der Abheilung haben Brüche im mittleren und körperfernen Drittel sowie quer verlaufende Brüche. Eine schlechte Heilungstendenz weisen Brüche des körpernahen Drittels sowie verschobene und schräg verlaufende Brüche auf.

Wie kommt es zum Kahnbeinbruch?

Der Kahnbeinbruch entsteht in der Regel durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand, wobei oftmals der Bruch in den ersten Röntgenaufnahmen nur sehr schwer erkennbar ist. Auch die durch den Bruch verursachten Schmerzen können recht gering sein. Ist ein Patient nach einem Sturz auf das Handgelenk nicht in etwa 8-10 Tagen wieder völlig beschwerdefrei, sollte unbedingt an einen Kahnbeinbruch gedacht werden. 

Müssen Kahnbeinbrüche immer operiert werden?

Die Notwendigkeit einer Operation hängt von mehreren Faktoren ab, so z.B. von der Höhe der Fraktur im Knochen oder vom Frakturverlauf. Verschobene und instabile Kahnbeinbrüche sowie Brüche des körpernahen Drittels sollten operativ versorgt werden. Die Standardoperation ist die Osteosynthese mittels einer sogenannten Herbert-Schraube. Es handelt sich hierbei um eine Schraube mit 2 verschiedenen Gewindesteigungen, wodurch eine stabile und dosierte Kompression beider Bruchenden aufeinander ausgeübt werden kann. Je nach Bruchlokalisation wird die Schraube von beugeseitig oder von streckseitig eingebracht. Eine stabil eingebrachte Herbert-Schraube ist übungsstabil, d.h., die ansonsten lange Ruhigstellungsphase im Gips entfällt, und der Patient kann sofort ein krankengymnastisches Übungsprogramm beginnen. Ein neues Verfahren für unverschobene Brüche des mittleren Kahnbeindrittels ist die sogenannte minimalinvasive Herbertschrauben-Osteosynthese. Durch einen Hautschnitt von nur wenigen Millimetern Größe wird eine kanülierte Herbert-Schraube über einen zuvor eingebrachten Führungsdraht, der sofort wieder entfernt wird, eingebracht.
Diese neue Methode erspart den Patienten die bisherige 12-wöchige Gipsruhigstellung, da direkt nach der Operation mit Bewegungsübungen begonnen werden kann. Die postoperativen Schmerzen sind bei dieser Operationsmethode deutlich reduziert.

Was passiert, wenn ein Kahnbeinbruch nicht ausheilt?

Kommt es nicht zur Ausheilung eines Kahnbeinbruches, so bildet sich eine Kahnbein-Pseudarthrose aus, die im Laufe der Jahre in eine erhebliche Handgelenksarthrose einmündet.