Kahnbein-Pseudarthrose

Unter einer Kahnbein-Pseudarthrose (auch Scaphoid-Pseudarthrose oder Naviculare-Pseudarthrose genannt) versteht man die ausbleibende Heilung eines Kahnbeinbruches, was dann zu einer Art "Falschgelenkbildung" führt. Sie entsteht in erster Linie durch unerkannte und damit nicht behandelte Kahnbeinbrüche. Allerdings können in Folge der generell schlechten Durchblutung dieses Handwurzelknochens auch behandelte Kahnbeinbrüche bei ausbleibender Heilung zur Pseudarthrose führen.

Beschwerden

Eine Kahnbein-Pseudarthrose kann zunächst über viele Jahre unerkannt bleiben und kommt oft erst als Zufallsbefund bei einer Röntgenuntersuchung (z.B. anlässlich eines erneuten Sturzes) zur Darstellung.
Im Laufe der Zeit kommt es zu zunehmenden arthrotischen Veränderungen des Handgelenkes mit allmählich zunehmenden Beschwerden im Bereich des Handgelenkes und der Handwurzel. Die Diagnostik erfolgt durch konventionelle Röntgenaufnahmen des Handgelenkes und der Handwurzel in mehreren Ebenen.
Je nach Befund können zusätzliche Computertomographien oder Kernspintomographien erforderlich werden.

Therapie

Die unbehandelte Kahnbein-Pseudarthrose führt im Laufe der Jahre zu einer zunehmenden und schmerzhaften Arthrose des Handgelenks. Aus diesem Grunde sollte eine Pseudarthrose möglichst frühzeitig operiert werden. Je früher nach dem Unfallereignis die operative Behandlung einsetzt, um so geringer sind die bereits eingetretenen sekundärarthrotischen (Verschleiß) Veränderungen und um so günstiger ist die weitere Prognose für den Patienten.
In unserer Klinik werden in Abhängigkeit vom Befund unterschiedliche Operationsverfahren angewandt:

  1. Einbringen eines Beckenkammknochenspans und Verschraubung

    Bei diesem Verfahren wird das falschgelenkartig veränderte Knochengewebe entfernt, und es wird ein Knochenspan aus dem Beckenkamm eingesetzt. Es erfolgt dann die Stabilisierung mittels einer sogenannten Herbert-Schraube, so wie es auch beim frischen Kahnbeinbruch durchgeführt wird. Anschließend muss mit einer Gipsruhigstellung von 6-8 Wochen gerechnet werden.


  2. Einbringung eines mikrovaskulären Knochenspans vom Beckenkamm

    Bei dieser Methode wird ebenfalls ein Knochentransplantat aus dem Beckenkamm entnommen. Dieses bleibt aber an einer Arterie und einer Vene gestielt. Dieser Gefäßstiel wird dann im Bereich des Handgelenkes an eine Arterie und eine Vene mikrochirurgisch angeschlossen. Der Vorteil dieser Methode ist eine bessere Durchblutung des eingebrachten Knochenspans, der Nachteil ist ein erheblich größerer operativer Aufwand.
    Dieses Verfahren kommt dann in Betracht, wenn bereits vor der Operation ein Durchblutungsmangel in einem Teil des Kahnbeins festgestellt wurde. Auch hier muss mit einer Ruhigstellung im Gips für 6-8 Wochen gerechnet werden.

Für spezielle Fälle stehen weitere Operationsverfahren zur Verfügung. Wegen der Komplexität dieses Themas kann die operative Methode nur nach sorgfältiger Analyse des jeweiligen Falles ausgewählt werden.