Bandverletzungen der Handwurzel

Verletzungen der Bänder der Handwurzel können unbehandelt zu einer Gefügestörung mit nachfolgender Fehlbelastung der Gelenkflächen und Entwicklung einer Handgelenksarthrose führen. Frische Verletzungen können - im Gegensatz zu veralteten - bei korrekter Behandlung zur Ausheilung gebracht werden. Sie sind jedoch häufig schwer zu erkennen und werden oft als einfache Verstauchung verkannt. Die häufigste und wichtigste ist die Verletzung des Bandes zwischen Kahnbein und Mondbein (skapholunäres Band).

Ursache

Verletzungen der Handwurzelbänder können beispielsweise durch einen Sturz auf die Hand zustande kommen. Eher selten sind chronische Schädigungen durch entzündliche Erkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis) oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. Pseudogicht) ursächlich für eine Schädigung der Bänder der Handwurzel.  

Symptome

Die Beschwerden und der Untersuchungsbefund bei einer frischen Verletzung der Bänder der Handwurzel werden häufig als einfache Verstauchung interpretiert. Typisch sind Schmerzen im Bereich des Handgelenks mit Schwellung. Die Beschwerden nehmen bei Bewegung und Belastung zu. Die Beweglichkeit des Handgelenks ist in der Regel schmerzhaft eingeschränkt. Wie bei einer einfachen Verstauchung können die Beschwerden auch bei einer Bandzerreißung unter konservativen Behandlungsmaßnahmen, wie einer Gipsruhigstellung, vorübergehend abklingen. Der Patient kann dann unter Umständen jahrelang symptomarm, bzw. symptomlos bleiben, obwohl die Schädigung der Gelenkflächen unbemerkt fortschreitet. Häufig wird dann erst durch eine neuerliche Bagatellverletzung eine bis dahin schmerzlose Verschleißerkrankung (Arthrose) aktiviert, d.h., der Patient hat von diesem Zeitpunkt an plötzlich starke Beschwerden.

Diagnostik

Bandverletzungen der Handwurzel

Grundlage für die Diagnosestellung sind die Erhebung der Vorgeschichte und die klinische Untersuchung des Patienten. In der Regel bestehen bei der frischen Bandverletzung Schmerzen im Handgelenk mit bewegungsabhängiger Verstärkung. Die Beweglichkeit des Handgelenks ist schmerzbedingt eingeschränkt. Hinweisend ist eine lokalisierte Schwellung in der Region des betroffenen Bandes mit umschriebenem Druckschmerz. Durch spezielle klinische Untersuchungsmethoden kann die Stabilität bestimmter Handwurzelbänder geprüft werden.
Weitere Informationen liefern Röntgenaufnahmen des betroffenen Handgelenks, ggf. ergänzt durch spezielle Belastungsaufnahmen zur Erfassung von sogenannten dynamischen Knochenfehlstellungen. Hierzu kann auch die nötige Durchleuchtungsuntersuchung (Kinematographie) verwendet werden. Weitere mögliche Untersuchungen sind die Arthrographie (Röntgenuntersuchung mit direktem Einspritzen von Kontrastmittel in das Gelenk) und die Kernspintomographie (MRT) oder auch hier eine Kernspintomographie mit Einspritzen von Kontrastmittel in das Gelenk (Arthro- MRT). Verbleiben dann noch Zweifel, ob eine Bandverletzung vorliegt, ist eine Arthroskopie des Handgelenks empfehlenswert. Diese stellt eine operative Maßnahme dar, bei der über sehr kleine Schnitte (sog. Schlüsselloch-Chirurgie) mit einer Optik die krankhaften Strukturen des Handgelenks bzw. der Handwurzel beurteilt und auch zum Teil behandelt werden können. Hierbei kann das betroffene Band direkt gesehen und mit einem Tasthaken auf Stabilität geprüft werden, so dass der gesamte Umfang der Bandverletzung erkannt werden kann. Krankhaftes Gewebe kann dabei zusätzlich entfernt werden (z.B. Entfernung der entzündeten Gelenkschleimhaut (Synovektomie), Glättung des häufig krankhaften oder verletzten Knorpels (sog. Abrasionsarthroplastik) oder verletzte Strukturen wiederhergestellt werden (z.B. arthroskopische Naht eines Risses der Gelenkscheibe, dem Discus ulnocarpalis). Die arthroskopische Diagnostik und Therapie ist heutzutage für die Beurteilung der Handwurzel und des Handgelenks unerlässlich. Keine andere Untersuchungsmethode gibt so ein exaktes Bild über die Bandstrukturen und Knorpelflächen wie die Arthroskopie, wodurch spätere therapeutische Entscheidungen fallen können.

Behandlung

Die Therapie richtet sich danach, ob es sich um eine frische oder eine veraltete Verletzung handelt, ob eine vollständige oder eine Teilzerreißung des Bandes vorliegt und, ob es durch die Bandzerreißung bereits zu Folgeschäden an der Handwurzel gekommen ist.

Frische Bandverletzungen

Frische Bandverletzungen, d.h. solche Verletzungen, die innerhalb der ersten 2 Monate nach Verletzung erkannt werden, können meist wieder zur Ausheilung gebracht werden. Die Behandlung erfolgt bei Teilzerreißungen, bei denen es nicht zu einer Fehlstellung der Handwurzel gekommen ist, mittels Ruhigstellung im Gipsschienenverband für 6 Wochen. Bei vollständiger Zerreißung des Bandes wird das Band direkt genäht oder bei Abriß vom Knochen wieder an diesem befestigt. Ergänzend muss in diesen Fällen zusätzlich zur Ruhigstellung im Gipsschienenverband eine vorübergehende Fixierung der einzelnen Handwurzelgelenke erfolgen. Hierzu werden Metalldrähte, sog. Kirschner-Drähte eingebracht, die nach Ausheilung des Bandes (ca. 8 Wochen) wieder entfernt werden.

Veraltete Bandverletzungen

Bei Bandverletzungen die älter als 2 Monate sind, ist in der Regel eine vollständige Wiederherstellung der Bänder nicht mehr möglich ist. Oft ist durch die Bandverletzung bereits eine Gefügestörung der Handwurzel eingetreten, die im weiteren Verlauf einen vorzeitigen Verschleiß des Handgelenkes (Arthrose) bewirkt.
Die Therapie ist stadienabhängig:Bei anfänglich noch fehlender oder noch korrigierbarer Fehlstellung der Handwurzelknochen können durch Korrekturoperationen im Bereich der Gelenkkapsel, das Auftreten der Fehlstellungen verhindert werden (sog. Kapsulodese). Andere Methoden sind Bandersatzoperationen unter Verwendung von Sehnenanteilen oder die Verpflanzung von Knochen-Band-Knochen-Einheiten um das Band zu rekonstruieren.
Bei fortgeschrittenen Veränderungen mit nicht mehr korrigierbarer Fehlstellung kommen leider nur noch Teilversteifungen der Handwurzel in Betracht, um ein Fortschreiten des Gelenkverschleißes zu verhindern und dem Patienten eine schmerzfreie Restbeweglichkeit zu erhalten. Eine vollständige Versteifung des Handgelenkes kann damit meist vermieden werden. 

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