Operatives Spektrum

Das operative Spektrum des Halses umfasst sowohl Operationen am äußeren Hals (Halsoperationen von außen) als auch die endoskopischen Untersuchungen, insbesondere Endoskopie von Mund, Schlund, Kehlkopf, Rachen und Speiseröhre mit starren und flexiblen Instrumenten sowie die mikrochirurgischen Kehlkopfoperationen, die Operationen Zenkerscher Divertikel unter endoskopischer Kontrolle und die Operation an den Mandelhöhlen.

Zur leichteren Verständlichkeit und zur besseren Orientierung finden Sie unser operatives Behandlungsspektrum nach den jeweiligen funktionalen Teilen des Halses aufgelistet.

Äußerer Hals

Die Operationen des äußeren Halses betreffen die Entfernung von medianen und lateralen Halszysten sowie die Schilddrüsenoperationen und Entfernung von Neubildungen im Bereich der Schilddrüse und Operationen im Rahmen der Tumorchirurgie (eigener Menüpunkt). 

Halszysten

Halszysten

Laterale Halszyste

Bei der lateralen Halszyste handelt es sich um eine embryonale Fehlentwicklung mit Ausbildung eines zystischen Raumes bzw. eines mit Flüssigkeit gefüllten Sackes (Zyste) im Bereich der äußeren Halsweichteile. Dieser wird in einer Operation durch Schnitt von außen entfernt. Da diese Zysten oder Fisteln (Gang, der nach innen reicht) manchmal noch - aufgrund der embryonalen Entwicklung - Verbindung mit der Mundhöhle haben, wird die Entfernung der lateralen Halszyste mit der Entfernung der Gaumenmandeln kombiniert (siehe Tonsillektomie).  

Mediane Halszyste

Bei der medianen Halszyste handelt es sich um ein Überbleibsel des embryonal angelegten Ductus thyreoglossus (ein Bindegewebsgang, der sich vom Zungengrund bis kurz unterhalb des Zungenbeins zieht). In diesem Ganggewebe wandert die Schilddrüse während der Entwicklung nach unten. Bei der medianen Halszyste kann vereinzeltes Gewebe auf diesem Weg bestehen bleiben und sich zu einer wassersackartigen Formation herausbilden. Diese kann durchaus auch noch einen bindegewebigen Stamm bis zum Zungengrund erhalten. Deswegen wird bei der Entfernung der medianen Halszyste nicht nur die Zyste an sich entfernt, sondern auch der mittlere Anteil des Zungenbeins (querer Knochen oberhalb des Kehlkopfes), um hier zu verhindern, dass die Zyste wieder neu auftritt. Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt, der Krankenhausaufenthalt dauert ca. 4 bis 5 Tage.

mediane Halszyste
mediane Halszyste

Mundhöhle

Speicheldrüsen

Speicheldrüsen

1. Ohrspeicheldrüse (Parotis)

Bei Erkrankungen der Ohrspeicheldrüse -  insbesondere bei gut- oder bösartigen Tumoren - erfolgt die Entfernung der äußeren oder gesamten Ohrspeicheldrüse. Der Eingriff wird in Vollnarkose unter mikroskopischer Kontrolle durchgeführt und dauert, je nach Befund, 2 bis 3 Stunden. Das schwierige an dieser Operation ist die komplette Darstellung und Erhaltung des Gesichtsnerven, welcher fächerförmig die gesamte Ohrspeicheldrüse durchzieht. Deshalb wird der Eingriff unter mikroskopischer Kontrolle und mittels Nervenstimulator durchgeführt, um eine Verletzung des Gesichtsnerven zu verhindern.

2. Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis)

Die Unterkieferspeicheldrüse dient der Bildung von Speichel für die Mundhöhle. Sie liegt unterhalb des Unterkiefers und kann bei chronischen Entzündungen bzw. Flüssigkeitsmangel zur Schleimbildung neigen und bei Verlegung des Ausführungsganges immer wieder nach den Mahlzeiten anschwellen. Bei einer chronischen Entzündung oder auch Tumoren dieser Drüse wird diese entfernt. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose und dauert ca. 1 bis 2 Stunden. Der Krankenhausaufenthalt beträgt ca. 1 Woche.

Rachen

Das operative Spektrum im Bereich des Rachens umfasst die Operationen der Rachen und Gaumenmandeln, die Schnarch-Operationen und, als spezielles Angebot, die Behandlung Zenkerscher Divertikel.

Operationen der Rachen- und Gaumenmandeln

Operationen der Rachen- und Gaumenmandeln

Adenotomie (AT)

Der am häufigsten bei Kindern durchgeführte Eingriff ist die Adenotomie mit Entfernung der Rachenmandel (Polypen oder Wucherungen). Der Eingriff kann  sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden. Es erfolgt das Abtragen der sogenannten Rachenmandel hinter den hinteren Nasenlöchern im Nasenrachenraum. Die Rachenmandel verursacht bei Kindern zwischen 2 und 6 Jahren häufig eine Nasenatmungsbehinderung, gehäufte Infekte der oberen Atemwege und auch Paukenergüsse (Wasser hinter dem Trommelfell).

Tonsillektomie (Mandelentfernung)

Bei chronischen Entzündungen der Mandeln oder auch bei einem Abszess (eitrige Einschmelzung) hinter den Mandeln erfolgt die komplette Entfernung der Gaumenmandeln beiderseits. Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt, der Krankenhausaufenthalt dauert 1 Woche.


Tonsillotomie (Kappung der Mandeln)

Bei kleinen Kindern, die bisher keine Mandelentzündungen hatten und bei denen im Vordergrund eine Atmungsbehinderung wegen massiv vergrößerter Mandeln besteht, wird als Alternative zur Tonsillektomie die weniger gefährliche Tonsillotomie durchgeführt, bei der laserchirurgisch ein Teil der großen Mandel entfernt wird. Es kommt nach 3 Wochen zu einer narbigen Schrumpfung der gesamten Mandel und zu einer Verbesserung der Atmung. Der Krankenhausaufenthalt dauert ungefähr 3 Tage.

vergrößerte Tonsillen
vergrößerte Tonsillen

Schnarchoperationen

Schnarchoperationen

„Schnarchoperation“ (UVPP)

Bei starkem Schnarchen mit gleichzeitig bestehendem schlaffen Gaumensegel und großen Mandeln kann die operative Entfernung der Mandeln zur Verbesserung des Raums im Rachen mit einer Gaumensegelstraffung und Kürzung des Gaumenzäpfchens (Uvulo-Velo-Pharyngoplastik) kombiniert werden. Der Krankenhausaufenthalt dauert ca. 1 Woche.

 

Uvula-flap

Häufig in Kombination mit einer flankierenden Nasenscheidewandkorrektur erfolgt die isolierte Verkleinerung eines überlangen Rachenzäpfchens.

 

Radiofrequenzablation des Weichgaumens

Nicht Gegenstand des Leistungsgefüges der gesetzlichen Krankenversicherung, aber als IGel Leistung (individuelle Gesundheitsleistung) durchaus möglich, ist die Radiofrequenzablation des Weichgaumens. Hierzu werden Reizelektroden in den weichen Gaumen gestochen, und ein bestimmtes Schleimhautareal im Bereich des Weichgaumens mittels Hochfrequenzstrom verödet. Dadurch kommt es nach ca. 2 bis 3 Wochen zu einer narbigen Schrumpfung und dadurch einer Straffung des Gaumensegels. Dieses kann als „milde“ Behandlung, z.B. eines habituellen Schnarchens, eingesetzt werden.

Zenkersche Divertikel

Zenkersche Divertikel

Laserchirurgische Schwellenspaltung bei Zenkerschen Divertikeln

Zenkersche Divertikel sind Aussackungen der Schlundwand durch eine Muskellücke im oberen Halsbereich. Dadurch bedingt kommt es zu einer Aussackung des Schlundes und Hängenbleiben von Nahrung in dieser Aussackung. Die klassische Operationsmethode ist die Halsoperation von außen mit Abtragung der Aussackung, u.a. auch mit Gefährdung des Stimmbandnerven, der in der Nähe verläuft. Die Patienten dürfen 10 Tage nicht essen und trinken. Alternativ ist hier die endoskopische Schwellenspaltung mit dem Laser möglich. Es erfolgt die Darstellung der Aussackung über eine endoskopische Untersuchung und dann die Durchtrennung des zugrundeliegenden zu engen Muskels. Dadurch bedingt werden die Schluckbeschwerden deutlich verbessert, ohne dass eine Operation von außen nötig ist.

Kehlkopf

Kehlkopferweiternde oder -verengende Operationen

Kehlkopferweiternde oder -verengende Operationen

Kehlkopferweiternde Operationen werden z.B. bei einer beidseitigen Stimmbandlähmung durchgeführt. Hierbei sinken die Stimmbänder in die Mittelebene und der Atemspalt beträgt nur noch 2 mm. Dieses führt zu starker Luftnot, besonders bei Belastung. Wenn die Stimmbandlähmung, z.B. nach einer Schilddrüsenoperation, beidseitig besteht und der Patient sehr unter den Folgen leidet (Ruhe-Luftnot), so kann nach ca. 1 bis 1 ½ Jahren (in dieser Zeit kann sich der Stimmbandnerv nämlich noch erholen) eine Laser-assistierte Kehlkopferweiterung durch Teilentfernung eines Stimmbandes durchgeführt werden. Dadurch wird die Stimme zwar etwas schlechter, aber der Atemspalt wird größer.

Kehlkopfverengende Operationen werden bei einer einseitigen Stimmbandlähmung durchgeführt. Hierbei kommen die Stimmbänder beim Sprechen durch die Lähmung nicht ausreichend zusammen, so dass ein Rest der Atemluft entweicht. Heiserkeit tritt auf, Luftnot ist meistens kein Problem. Zur Stimmverbesserung gibt es hier die Möglichkeit, eine sogenannte Stimmbandaugmentation durchzuführen: Hyaluronsäure oder Kollagen wird unter mikroskopischer Sicht über einen endoskopischen Eingriff (Mikrolaryngoskopie) in das gelähmte Stimmband eingespritzt. Dadurch kommt es zu einer Verdickung und Aufweitung des Stimmbandes, und das gesunde und noch bewegliche Stimmband erhält beim Sprechen wieder Kontakt zum gelähmten. Dies dient der Verbesserung der Stimmqualität. Der Eingriff muss häufig alle 6 Monate wiederholt werden. Die Thyreoplastik ist eine alternative Operation von außen (Schnitt im Bereich des seitlichen Kehlkopfes). Es wird ein Platzhalter eingesetzt, der das gelähmte Stimmband dauerhaft in die Mittelebene verlagert.

Kindliche Kehlkopfpapillomatose (Warzen am Kehlkopf)

Kindliche Kehlkopfpapillomatose (Warzen am Kehlkopf)

Diese Krankheit tritt üblicherweise im Kindesalter auf. Es kommt hierbei zum Auftreten zahlreicher, warzenähnlicher, weicher Raumforderungen im Bereich des Kehlkopfes und der oberen Luftröhre. Dies führt nicht nur zu Heiserkeit, sondern kann bei ausgedehntem Befall auch Luftnot zur Folge haben. 
Im Rahmen einer starren Kelhkopf-Endoskopie (Mikrolaryngoskopie) werden mit dem Laser die aufgetretenen Warzen verdampft und abgetragen, möglichst unter Schonung der Schleimhaut. Diese Warzen neigen allerdings zum Wiederauftreten. Bis zur Pubertät ist bei vielen Kindern jedoch eine deutliche Besserung zu erkennen.

Leukoplakien (Krebsvorstufe)

Leukoplakien (Krebsvorstufe)

Leukoplakien sind weißliche Veränderungen der Schleimhaut durch eine Verhornungsstörung (mehrere Schichten Schleimhaut legen sich übereinander). Der Blick von oben zeigt außerdem eine weißliche Veränderung des Gewebes. Diese Leukoplakien sind sogenannte Präkanzerosen, d.h. Krebsvorstufen. Sie treten häufig bei Rauchern auf, entweder im Bereich der Mundhöhle, aber auch im Bereich des Kehlkopfes. Das primäre Symptom ist die Heiserkeit. Die Leukoplakien werden mikrochirurgisch oder laserchirurgisch abgetragen.

Stimmlippenknötchen

Stimmlippenknötchen

Stimmlippenknötchen werden oft auch Sänger- oder Schreiknötchen genannt. Sie sind ein Zeichen der Überlastung der Stimmbänder bei einem chronischen Stimmgebrauch (z.B. in Sprechberufen). Die Knötchen sind Verdickungen im Bereich der maximalen Stimmbandschwingung (vorderes Drittel bds.)  und werden zunächst konservativ behandelt (durch logopädische Maßnahmen). Bei ausgeprägten Befunden kann aber auch eine chirurgische Abtragung sinnvoll sein.

Luftröhre

Ein Luftröhrenschnitt muss bei Behinderung der Atmung durchgeführt werden. Die Öffnung der Luftröhre kann nur vorübergehend oder aber bleibend sein (z.B. nach Kehlkopfentnahme).

Tracheotomie (Luftröhrenschnitt)

Tracheotomie (Luftröhrenschnitt)

Bei Tumoren der Mundhöhle oder des oberen Atemtraktes kann es zu starker Luftnot kommen. Auch im Rahmen z.B. eines Insektenstiches oder einer allergischen Reaktion kann es nach einigen Minuten zu einer völligen Verschwellung des Kehlkopfes oder zu einem massiven Anschwellen der Zunge kommen, so dass hier eine akute Notsituation entstehen kann. Bei Patienten nach Schlaganfall, die starke Schluckprobleme haben und sich immer wieder in die Lunge verschlucken, kann das Anlegen eines Luftröhrenschnittes die tiefen Atemwege schützen.
Beim Luftröhrenschnitt wird ein Schnitt am unteren Halsbereich (2 Querfinger oberhalb des Brustbeins) durchgeführt und nach Durchtrennen der Schilddrüse die Luftröhre eröffnet. Die Luftröhrenschleimhaut wird mit der Halshaut vernäht. Dadurch kommt es nach Abschluss der Wundheilung zu einer stabilen Öffnung in der Luftröhre, die mit der Halshaut verwachsen ist (Tracheostoma). Gerade am Anfang ist das Tragen einer Kanüle nötig. Nach einigen Tagen kann die zunächst geblockte Trachealkanüle gewechselt werden und eine Sprechkanüle (mit Sprechventilausfsatz) eingesetzt werden. So kann der Patient durch Zuhalten des Tracheostomas wieder sprechen.
Ausnahme: Im Rahmen einer Kehlkopftotalentfernung wird die Luftröhre endständig im Hals ausgeleitet und der Luftröhrenschnitt muss für immer verbleiben (einzige Atemöffnung). Bei den anderen Luftröhrenschnitten ist ein späterer Verschluss nach Verbesserung der Gesamtsituation wieder möglich, in den meisten Fällen auch in Lokalanästhesie.

Speiseröhre

Starre und flexible Endoskopien

Starre und flexible Endoskopien

Endoskope sind starre Rohre oder flexible schlauchförmige Geräte, die zur genauen optischen Diagnostik von inneren Körperstrukturen oder minimal-invasiver Behandlungen dieser Hohlorgane dienen.
undHierfür wird das Endoskop durch eine Körperöffnung (Mund oder Nase) in den zu untersuchenden Bereich eingeführt. Hochmoderne, hochauflösende Optiken sowie Video- und Lichtquellen am Endoskop bieten dem Arzt die Möglichkeit, über einen Monitor direkt mikrochirurgisch zu agieren.
Starre und flexible endoskopische Untersuchungen sind in der HNO-Heilkunde im Rahmen verschiedener diagnostischer und therapeutischer Behandlungen notwendig. Die starren Endoskopien müssen in Vollnarkose durchgeführt werden, für die flexiblen kann eine örtliche Betäubung ausreichend sein.

In der HNO-Klinik werden folgende endoskopische Untersuchungen durchgeführt:

  • starre und flexible Ösophagoskopie (Spiegelung der Speiseröhre)
  • Nasoösophagoskopie (Spiegelung der Speiseröhre über die Nase)
  • starre und flexible Tracheo-Bronchoskopie (Spiegelung der Atemwege)
  • Endoskopie des Nasen- und Nasenrachenraums (z.B. endoskopische Nasennebenhöhlenoperation)
  • Mikrolaryngoskopie (mikro- oder laserchirurgische OP des Kehlkopfes)

starre Ösophagoskopie
starre Ösophagoskopie

Fremdkörper im Ösophagus

Fremdkörper im Ösophagus

Im Rahmen der Notfallversorgung tritt häufig das Problem verschluckter Speisen, Zahnprothesen oder anderer Fremdkörper auf. Anatomisch ist kurz unterhalb des Kehlkopfes der Speiseröhrenmund (erste Speiseröhrenenge). Hier bleiben die meisten Fremdkörper hängen. Dies äußert sich durch Schmerzen, Stiche oder Druck hinter dem Kehlkopf, bei Kindern häufig durch Appetitlosigkeit. Mit Hilfe der starren Ösophagoskopie wird der Fremdkörper dann vorsichtig aus der Speiseröhre herausgeholt. Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt.

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