Hornhautchirurgie

Die Hornhaut des Auges ist die erste transparente Schicht des Auges, die die Grenze zur Außenwelt bildet. Im Durchschnitt ist sie 550 Mikrometer dick. Sie besteht im Wesentlichen aus drei Schichten: Epithel, Stroma und Endothel.
Das Epithel ist eine oberflächliche Schutzschicht. Es regeneriert sich fortwährend. Eine einfache Verletzung der Hornhaut, wie z. B. ein „Kratzer“ (Erosio), ist fast jedem schon einmal passiert. Diese äußerst schmerzhafte Verletzung heilt jedoch innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen ab, eben durch die Regeneration des Epithels.
Dennoch sollte bei allen Verletzungen der Augenoberfläche augenärztliche Hilfe aufgesucht werden, da eine Infektion oder tiefere Verletzung ausgeschlossen bzw. behandelt werden muss.

Das Stroma ist die Hauptschicht der Hornhaut. Es  besteht aus ganz regelmäßig angeordneten Kollagen-Fibrillen und spärlichen Zellen. Diese regelmäßige Struktur erlaubt es dem Licht, ungehindert zu passieren. Die Krümmung des Stromas bündelt das Licht kontrolliert im Auge, um zusammen mit der Linse das Bild – ähnlich einer Kamera – auf die Netzhaut zu projizieren. 
Das Stroma kann auf vielfältige Weise erkrankt sein. Eine fehlerhafte Krümmung kann die Abbildungsqualität beeinträchtigen, wie z.B. beim Keratokonus. Narben infolge von Verletzungen oder Entzündungen behindern, ebenso wie auch diverse angeborene Trübungen, die Lichtdurchlässigkeit.

Aber auch eine Quellung der Hornhaut durch Einstrom von Kammerwasser aus dem Augeninneren stört die Transparenz. Um diesen Wassereinstrom zu verhindern, arbeitet die innere Schicht- das Endothel – im Laufe des Lebens ununterbrochen. Die einzelnen Zellen des Endothels pumpen laufend das Kammerwasser zurück in das Auge und sorgen so für die Erhaltung der regelmäßigen Hornhautstruktur und somit für ihre Klarheit. Endothelerkrankungen haben daher einen Verlust der Sehkraft zur Folge. Die häufigste Form ist die sog. Fuchs‘sche Endotheldystrophie. Dabei kommt es typischerweise zu einer zentralen Eintrübung, die zunächst morgens auffällt und sich im Tagesverlauf bessert. Aber auch nach anderen Erkrankungen, Operationen oder Verletzungen kann das Endothel in seiner Funktion gestört sein (dann spricht man von einer sog. bullösen Keratopathie).

Je nach Art der Hornhauterkrankung kommen ganz unterschiedliche Behandlungsverfahren in Frage.
Zunächst bieten wir Ihnen eine fundierte Untersuchung und Beratung an. In erster Linie versuchen wir natürlich, Ihre Sehkraft ohne eine Operation zu verbessern oder zu stabilisieren. Bei frühen Stadien des Keratokonus kann eine Stabilisierung auch mittels der Hornhaut-Quervernetzungsbehandlung erfolgen (sog. Cornea-Crosslinking).
Bei irreversiblem Verlust an regelmäßiger Struktur (wie z. B. beim fortgeschrittenen Keratokonus) oder an Klarheit (wie z. B. bei Narben oder Endothelerkrankungen) kann jedoch oft nur wenig mit konservativen  Maßnahmen ausgerichtet werden. In solchen Fällen ist eine Verpflanzung der Hornhaut (Hornhaut-Transplantation) die beste Option. Dabei  wird erkranktes Gewebe der Hornhaut durch gesundes Hornhaut-Gewebe, das durch einen Verstorbenen gespendet und umfassenden Qualitäts- und Sicherheitskontrollen unterzogen wurde, ersetzt.

Das klassische Verfahren ist die sogenannte penetrierende Keratoplastik, auch perforierende Keratoplastik genannt. Dabei wir die Mitte der Hornhaut mit allen ihren Schichten durchgreifend ersetzt. Diese Option kommt in Frage, wenn sowohl das Stroma als auch die Endothelschicht erkrankt sind. Wenn nur das Stroma (die Hauptschicht der Hornhaut) getrübt ist, kann alternativ auch eine tiefe anteriore lamelläre Keratoplastik vorgenommen werden. Nach der englischen Bezeichnung deep anterior lamellar keratoplasty wird sie meist als DALK abgekürzt. Dabei bleibt die eigene Endothelschicht zusammen mit ihrer Trägermembran (Descemet-Membran) erhalten.

 

Verpflanzung der Augenhornhaut mittels penetrierender Keratoplastik oder tiefer anteriorer lamellärer Keratoplastik (Abb. 1). Im letzteren Fall bleibt die hintere hauchdünne Endothelschicht des Empfängers erhalten.

Abb. 1:Grafik Verpflanzung der Augenhornhaut
Abb. 1:Verpflanzung der Augenhornhaut

Beispiel: Augenhornhaut mit einer sog. kristallinen Hornhautdystrophie

vor der Operation
vor der Operation

3 Monate nach der Transplantation
3 Monate nach der Transplantation

 

Wenn hingegen nur die Endothelschicht versagt hat, kann auch nur diese mit einem hauchdünnen Transplantat ersetzt werden. Bei diesem Verfahren wird die Endothelschicht mit ihrer Trägermembran durch entsprechendes Spendergewebe ersetzt. Sie saugt sich dann von selbst auf der Innenseite der Hornhaut des Empfängers an, so dass keine Nahtfixation erforderlich ist. Für dieses Verfahren hat sich die Abkürzung DMEK (nach der englischen Bezeichnung für descemet - membrane endothelial keratoplasty) durchgesetzt. In auserwählten Fällen wird zusätzlich noch eine dünne Schicht aus Hornhautstroma als Träger mitverpflanzt. Dieses Verfahren nennt sich dann DSAEK (nach der englischen Bezeichnung descemet-stripping automated endothelial keratoplasty).

Verpflanzung der Augenhornhaut mittels endothelialer Keratoplastik.
Hierbei wird nur die hintere hauchdünne Endothelschicht mit der Descemet-Trägermembran transplantiert (DMEK), (Abb. 2), oder manchmal auch mit einer dünnen Trägerschicht des Hornhaut-Stromas (DSAEK), (Abb. 3).
Transplantierte Anteile sind in rot dargestellt.

Abb.2 Endothelschicht mit der Descemet-Trägermembran transplantiert (DMEK)
Abb.2 Endothelschicht mit der Descemet-Trägermembran transplantiert (DMEK)

Endothelschicht mit einer dünnen Trägerschicht des Hornhaut-Stromas (DSAEK)
Abb. 3 Endothelschicht mit einer dünnen Trägerschicht des Hornhaut-Stromas (DSAEK)

Augenhornhaut mit einem Endothelversagen 

vor einer endothelialen Keratoplastik
vor einer endothelialen Keratoplastik

vier Wochen nach einer endothelialen Keratoplastik (hier DSAEK )
vier Wochen nach einer endothelialen Keratoplastik (hier DSAEK )

 

Die Augenklinik Hagen verfügt über die Expertise zur Durchführung aller genannten Operationsverfahren. 
Wir beraten Sie ausführlich über die in ihrem Fall beste Behandlungsoption.

Wegen der Möglichkeit, dass das eingesetzte Hornhautgewebe vom körpereigenen Immunsystem als fremd erkannt und angegriffen wird (sog. Abstoßungsreaktion), sollte nach jeder Form der Hornhaut-Transplantation grundsätzlich eine regelmäßige augenärztliche Kontrolle gewährleistet sein.  Insgesamt ist bei Routineeingriffen das Risiko einer Abstoßung jedoch gering, so dass keine systemischen Medikamente zur Hemmung des Immunsystems benötigt werden, d.h. wir verwenden dann zur Dauertherapie lediglich Augentropfen.

Zur Einschätzung Ihres individuellen Risikos werden Sie natürlich vor einer eventuellen Operation ausführlich von uns beraten.

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